Wilhelm-Gentz-Grundschule

Mit dem geplanten Um- und Anbau des bestehenden Schulgebäudes, sowie dem Neubau der Mehrzweckhalle soll in Neuruppin eine zukunftsfähige, dem gemeinschaftlichen Lernen verpflichtete Grundschule entstehen, die dem neuen pädagogischen Ansatz der "Lerninseln" gerecht wird.

Zielstellungen 1+1+1 = 1
Die Wilhelm Gentz Grundschule soll sich nach Umbau und Erweiterung als ein prägender Stadtbaustein in die Umgebung einfügen. Der Stadtbaustein setzt sich dabei aus drei Einzelbausteinen zusammen:
Das sind der Bestandsbau mit Lerninseln, der verbindende Anbau mit Gemeinschaftsbereichen und der Neubau der Sporthalle, die zusammen ein kompaktes Gebäude mit vielfältigen Bezügen ergeben (1+1+1 = 1). Die neue Fassade entlang der Gerhart-Hauptmann-Straße gibt der Schule eine weit sichtbare Adresse. Der Entwurf ist so angelegt, dass Schule und Sporthalle als ein Gebäude komplett auf dem Wettbewerbsgrundstück situiert sind. Ohne Eingriff in die bestehenden Freiflächen außerhalb des Wettbewerb Gebietes erweitert der ressourcenschonende Entwurf die Außenanlagen mit einem Schul- und Hausmeistergarten sowie den erforderlichen Parkierungsflächen. Nach außen und innen soll die Schule mit Ihrem neuen Erscheinungsbild durch den Einsatz natürlicher Materialien höchsten ökologischen und pädagogischen Ansprüchen genügen.

Städtebau und Freiräume
Das Bestandsgebäude mit Klassenräumen wird entlang der Wilhelm Gentz Straße um einen 4 geschossigen Zweibund erweitert, so dass ein winkelförmiger klarer Baukörper mit einer Adresse zur Straße entsteht. Nordöstlich dockt an die Bausubstanz der Schule die neue Zweifeldsporthalle an. Der Baukörper erweitert sich so zu einem klaren rechteckigen Volumen. Alle Abstandsflächen liegen auf dem eigenen Grundstück. Mit dem Rückbau der alten Sporthalle soll das ehemalige Fachraumgebäude in einem Zug entfernt werden. Aufgrund der erforderlichen Eingriffe in die Substanz des alten Fachraumgebäudes, um die neuen Raumzuordnungen optimal zu realisieren erscheint der Eingriff zugunsten einer klaren städtebaulichen Figur und besseren Funktionalität gerechtfertigt. Aufgrund der sich ergebenden Synergieeffekte ist der gewählte Eingriff bezogen auf den Lebenszyklus der Gebäude deutlich wirtschaftlicher.
An der straßenzugewandten nordwestlichen Ecke formt der Einschnitt in die winkelige Bauform mit einer Aufweitung den im Ensemble noch fehlenden ebenerdigen Hauptzugang, der die Schüler in das neu geschaffene Foyer leitet. An der nördlichen Ecke bleibt die Zufahrt zum Parkplatz für Lehrer und Sportler bestehen. Hier befindet sich auch der separate Abendeingang für die Sportler. Dem Abendeingang zugeordnet befinden sich südöstlich auf dem Gelände die baumbestandenen Parkplätze für Lehrer und Sportler. Die Zufahrt dient gleichzeitig als Feuerwehrumfahrt um das gesamte Gebäude. Die Feuerwehrflächen auf dem bestehenden Schulhof bleiben erhalten. Zusätzliche Aufstellmöglichkeiten sind auf der Wilhelm Gentz Straße im Nordwesten und auf dem Lehrerparkplatz im Südosten vorgesehen. Im südlichen Bereich ist die Hausmeisterwohnung mit eigenem Garten ausgegliedert. Von hier aus kann das gesamte Gelände optimal eingesehen werden. Gleichzeitig bietet die Lage dem Hausmeister die nötige Privatsphäre auf dem Schulgelände. An den Hausmeistergarten schließt eine Obstwiesen für die Schulküche an, die die Schüler mit jahreszeitlich frischem Obst versorgt. Auf den bestehenden neu gestalteten Schulhof münden die Eingänge der Bestandstreppenhäuser der überformten Systembaus, so dass die bestehende Anbindung und Wegebeziehungen uneingeschränkt erhalten bleiben.

Raumkonzept / pädagogisches Konzept
Das Schulgebäude umschließt nordwestlich im Winkel die ebenerdige Sporthalle. Dabei ist der Haupteingang der Schule im „zentralen Gelenk“ untergebracht. Der Besucher betritt die Schule barrierefrei über ein zweigeschossiges Foyer. Hier führen eine Spieltreppe und ein Aufzug in das erste Obergeschoss zur offenen Mensa. Die Mensa und Foyer können zusammengeschlossen als Veranstaltungsraum genutzt werden. Vom Foyer geht ein interner Verbindungsgang zur Sporthalle ab. Gleichzeitig besitzt die Sporthalle einen separaten Abendeingang im Nordosten an für den außerschulischen Betrieb. Das angebundene Schulgebäude ist in den Abendstunden für die Sportler nicht zugänglich.
Nach Jahrgangsstufen aufsteigend sind im Gebäude die Lerninseln untergebracht: Im Erdgeschoss liegt der die erste Lerninsel „Ernährung“. Im 1. OG befinden sich die Lerninsel „Entspannung“ und die zentrale Bibliothek, die wiederum eine Anbindung an den Spielbereich vor der Mensa besitzt. Hier können die Kinder bei schlechtem Wetter außerhalb der Horträume zusätzlich spielen, lesen und entspannen. Das 2. OG beherbergt die dritte Lerninsel „Kreativ“ Hier befindest sich auch an zentraler Stelle die Schulverwaltung. Im 3. OG sind die 4. Lerninsel „Sprache-Kommunikation“ und die die 5. Lerninsel „Naturwissenschaft und Technik“ gelegen.Das Bestandsgebäude wird über einen breiten hellen kommunikativen Spielflur mit Aufweitungen vor den Garderoben und den Treppenhäusern erweitert. Der neue Flur ermöglicht über Ein- und Ausbuchtungen die gewünschten Klassen- und Gruppenraumgrößen von 50 und 60 m² direkt nebeneinander liegend zu realisieren. Gruppen- und Klassenräume sind über die vorhandene Zwischentür miteinander verbunden. Die Räume werden beidseitig über den Flur und die großzügigen Holzfenster an der Südwestseite belichtet. Der Ausbau der Räume erfolgt ausschließlich mit natürlichen wohngesunden Materialien. An den Flur am Bestandsgebäude und im Anbau sind die Treppenhäuser so angeordnet, dass alle Räume 2 bauliche Rettungswege besitzen.

Realisierungswettbewerb
Neu- und Anbau der Wilhelm Gentz Grundschule und Neubau einer Zweifeld-Sporthalle
Neuruppin
Stahlbeton-Skelettbauweise, Holzrahmenbau
Bauherr: Fontanestadt Neuruppin
BGF: 4290 qm
CKRS Architekten
Mitarbeit: Theresa Schirmer, Hannah Fuchsenberger