Junges Leben in Coburg, 1.Preis

Coburg will eine Schwarmstadt für junge Menschen werden! Ein Baustein auf diesem Weg stellt die Umnutzung eines ehemaligen Geschäftshauses nahe der Kneipenmeile zu einem Wohnraum für junge Menschen zwischen 18 und 28 Jahren dar. Das Gebäude aus den 1950er Jahren soll saniert, umgebaut und um einen Neubau erweitert werden. Neben der Funktion des Wohnens wird das Raumangebot durch Gemeinschafts-, Service und Kulturflächen ergänzt.

Unser Entwurf steht ganz unter dem Motto „Sharing is fun“ – Von Min zu Max oder vom Rückzugsort zur Hausgemeinschaft. Das komplette Haus funktioniert auf Basis des „Third Place Living“: Tätigkeiten des Alltags (Kochen, Essen, Waschen, Lernen, Sport, Feiern) werden ausgelagert und so zu Knotenpunkten für eine aktive Hausgemeinschaft. Die privaten Räume werden als Rückzugsort auf ein Minimum reduziert. Der Altbau und der Neubau funktionieren als ein Haus.

Im  Erdgeschoss befinden sich die öffentlichen und halböffentlichen Gemeinschaftsfunktionen, wie ein  Café als Quartierstreff, Fitnessräume und Co-Working-Flächen, ein „Empfang“ mit Verleihtheke, Information und Verwaltungsbüro, sowie die ruhigeren Bereiche wie Bibliothek mit Lese-, Lernbereich. In den Obergeschossen befinden sich die Wohnbereiche. Nach Süd-Westen sind die minimierten Privatzimmer mit eigenem Balkon angeordnet, im Nord-Osten der zweigeschossige, großzügige Gemeinschafts-Aufenthaltsbereich. Die nebeneinander liegenden Maisonette- Wohngemeinschaften können durch mobile Wände zu Clustergemeinschafen verbunden werden > das atmende Haus. Im Bestandsgebäude befinden sich die konventionelleren  WG’s.

Der Neubau führt die gerasterte Fassadenstruktur des Altbaus fort. Wie bei einem Setzkasten kann jeder Bewohner sein „Kästchen“ individuell ausfüllen. Die Außenhülle des Bestandes wird ertüchtigt durch eine  vorvergraute Holzfassade. Der Neubau wird ebenfalls mit einer Holzschalung verkleidet. Hier wird das Holz unbehandelt eingesetzt und vergraut mit den Jahren, so dass Neu + Alt „zusammenwachsen“. Auch in der Konstruktion findet sich der nachwachsende Rohstoff Holz wieder. Decken und Wände des Neubaus bestehen aus kreuzverleimten Massivholzplatten. Die Decken können für die Balkone und für den Laubengang durchlaufend auskragen ohne zusätzlichen Dämmaufwand.

Der alte, leere Aufzugschacht kann optimal zur Integration eines 19m-hohen Warmwasserspeicher genutzt werden – das Herz der neuen Energiezentrale. Dieser wird von Sonnenkollektoren und respektive von Erdsonden gespeist. Wenn der Speicher voll geladen ist, dienen die Erdsonden als Zusatzspeicher. Überschüssige Wärme wird über das freecooling-System der Erdsonden wieder abgegeben. Bei geladenem Speicher kann der Strom, der durch die Photovoltaikmodule gewonnen wird, von den Bewohnern genutzt werden. Die durchlaufenden Balkone und Laubengänge dienen als passiver Sonnenschutz. Zur Klimaverbesserung hilft die Regenwasserrückhaltung durch die Dachbegrünung.  Der Energieplushaus-Standard wird angestrebt. Die „graue Energie“ wird durch schonenden Umbau des Bestands genutzt.  Durch das „third place living“-Prinzip wird der Flächenverbrauch minimiert. Auf eine Unterkellerung kann aufgrund der Anordnung der Abstellflächen in den Geschossen verzichtet werden. Somit leistet unser Entwurf einen Beitrag zum zukunftsorientierten, klimabewussten und ressourcenschonenden Bauen.

Realisierungswettbewerb, 1.Preis
Neu-und Umbau eines Wohngebäudes für Junge Leute
Coburg
Holzhybridbau
Bauherr*in: Wohnbau Stadt Coburg GmbH
BGF: 3.610 qm
CKRS Architekten
Mitarbeit: Phillip Sandner, Theresa Schirmer