Wohnen an der Spree

Die Fortführung des urbanen Wohnungsbaus am Rande des Hansaviertels in Berlin liegt diesem Realisierungswettbewerb zu Grunde. So entsteht ein neues Quartier mit angemessener Dichte und qualitätsvollen neuen Grünräumen an der Spree.

Städtebau und äußere Erschließung

Die straßenbegleitende Bebauung definiert den städtischen Raum.
 Mit der Verbreiterung und Verlängerung der Bachstraße entlang der S-Bahn in den 1950iger Jahren und dem eingeführten Abstandsgrün zur S-Bahn, wurde der ehemalige Block des Straubeplans von 1910, der durch die Altonaer Straße, das Schleswiger Ufer und die Cuxhavener Straße begrenzt war, neu definiert und deutlich verkleinert.
 Die Auswirkungen dieses Stadtumbaus zu einer autogerechten Stadt sind jetzt auf dem Grundstück mit einer hohen Lärmbelastung zu spüren.

Durch die Rückbesinnung auf Vorteile der straßenbegleitenden Bebauung wird das Baugründstück folglich straßenbegleitend bebaut und das Spreeufer als Promenade formuliert. Ergänzend öffnet sich nach Westen ein großzügiger Hof, der den anliegenden Wohnungen direkten Wasserbezug ermöglicht.
 Diese Verbindung aus gründerzeitlichem und modernem Städtebau vermittelt auch zwischen dem blockgebundenem Stadtteil Moabit und der losen Stadtlandschaft des Hansaviertels.
 Die nicht historisierende, zukunftsorientierte Kubatur schafft für Anwohner und Besucher Orte mit Identität und hoher Aufenthaltsqualität.

Durch die besondere Lage des Grundstücks und die vorgeschlagene parzellierte, straßenbegleitende Bebauung entsteht die Möglichkeit, direkt an der Schnittstelle der Stadträume ein höheres Haus auszubilden. Im Zusammenhang mit der Menzel Oberschule entsteht eine Torsituation, die der Bedeutung des Ortes gerecht wird.
 Die besondere Lagegunst und die städtebauliche Zuordnung der Bauabschnitte rechtfertigen die hohe Ausnutzung des Grundstücks. Auf der einen Seite werden die störenden Einflüsse der Umgebung durch die straßenbegleitenden Baukörper gemindert, im Weiteren genießt nahezu jede Wohnung einen Bezug zur Spree.

Der vorgetragene städtebauliche Ansatz ist robust und in nicht determinierten Abschnitten realisierbar. Der Entwurf lässt zudem Verschiebung der Grundstücksgrenzen zu, ohne das städtebauliche Konzept zu stören und ist von einer einheitlichen Architektursprache unabhängig. Die Ausbildung eines gemeinschaftlichen Sockels zur Straße und der Verzicht auf eine Staffelung der obersten Geschosse zu den Straßenräumen verbinden die Parzellen zu einer ganzheitlichen städtebaulichen Figur.

Durch diese Maßnahme setzen sich die Wohnungen im EG vom Straßenraum ab und ermöglichen einen gemeinschaftlichen Garten mit darunter liegender Garage. Zur Altonaer Straße und zur Bachstraße werden kleine Gewerbeeinheiten vorgeschlagen. Teilweise könnten die Gewerbeeinheiten nur im Straßenbereich angeordnet sein, während zum Spreehof hin Maisonettewohnungen den Spreehof als Außenraum nutzen.

Die umgebenden Straßen erhalten durch die neue Bebauung neue Aufgaben und straßenräumliche Qualitäten (Parken unter Bäumen, Spielstraße, Gehweg, Vorgartenzone).

Die einzelnen Häuser verfügen über ein eigenes Grundstück und über einen gemeinsamen Hof, die Wohnungen über großzügige private Außenräume, die über bodentiefe Fenster, Balkone, Loggien oder Terrassen fließend mit dem Innenraum verbunden werden können. Die unterschiedlichen Ausrichtungen der Wohnungen, aus denen die Bewohner der größeren Wohnungen mindestens zwei Himmelsrichtungen und
 überwiegend die Spree sehen können, war eine weitere wesentliche Prämisse. Das Gesamtbild ist ganzheitlich und doch von mehreren Bauherren und Architekten realisierbar.

Organisation und innere Erschließung

Flexibilität und Nachhaltigkeit gewinnen im einfachen und gehobenen Geschoßwohnungsbau immer mehr an Bedeutung. Gerade in Metropolen, wo vielfältige Lebensentwürfe und hohe Bewohnerfluktuation bestehen, sind flexible Lösungen gefragt. Diese müssen den Bedürfnissen von Familienstrukturen ebenso nachkommen wie auch alternative Wohnansprüche abdecken. Deshalb schlagen wir für die Organisation der Wohnungen flexible Konzepte vor.

Konstruktion & Ökologie

Innerhalb der städtebaulich-architektonischen Leitidee empfehlen wir maßstäbliche und kompakte Gebäude mit einem sehr geringen Energiebedarf und Anschluss an eine gemeinsame Tiefgarage vor.
 Der Energiestandard entspricht dem Niedrigenergie-Baustandard.
 Die Geschossdecken werden partiell thermisch aktiviert und dienen neben der Strahlungsheizung auch der Kühlung. Eine Lüftungsanlage sorgt für eine sehr gute Luftqualität.

Mit der Auswahl des Konstruktionsprinzips und der Baumaterialien fängt nachhaltiges Bauen an. Die Tragstruktur ist eine wirtschaftliche Stahlbetonskelettkonstruktion aus Fertigteilen, die durch die Treppenhauswände ausgesteift werden. Sie ist von der Hülle getrennt. Die Grundrisse sind innerhalb der Tragstruktur flexibel arrangiert.

Wettbewerb zum Städtebau und Neubau von Wohngebäuden
Berlin-Tiergarten
Stahlbetonskelettkonstruktion
Bauherr: Hilfswerk-Siedlung GmbH
BGF: 12.360 qm
CKRS Architekten
A24 Landschaftsarchiteken