Quartier Heidestraße, 1.Preis

Ein differenzierter Block mit stadträumlicher Ausstrahlung entsteht im Quartier Heidestraße. Durch die robuste und identitätsstiftende Gestaltung des Wohnturms wird der hybride Wohnblock zu einem unverwechselbaren Ort. Das mit den ersten Baumaßnahmen und weiteren Wettbewerbs-entscheidungen begonnene Bekenntnis zum industrieaffinen Planen und Bauen, wird so in einer eigenen Formensprache fortgesetzt.

Städtebauliches Umfeld & Gebäudestruktur

Innerhalb des Blocks werden mit dem vorliegenden Entwurf vier Bereiche mit attraktiven Adressen im Quartier gebildet. Die unterschiedlichen Teile: Hotel, Klammer, Turm und Spange erhalten eine gemeinsame Konstruktions- und Fassadengrammatik. Die Ablesbarkeit der Bereiche führt zu einer Gliederung des ganzheitlich geplanten Blocks. Die besondere Situation des zentralen Standorts am Hauptbahnhof und die dadurch erhöhten Anforderungen an den Schallschutz wurden sowohl in der Grundriss- als auch in der Fassadengestaltung berücksichtigt. Die kantige, raue und wertige Oberfläche des neuen Baublocks schafft mit einfachen und kostenschonenden Bauteilen ein angemessenes und selbstbewusstes Gegenüber zu dem nördlich geplanten Backsteingebäude. Der Wohnturm aus Beton, Glas, Metall und Holz bildet eine gute südliche Quartiersplatzkante.

Auf der Grundlage einer dem Industriebau entnommenen Tragstruktur (Stützenraster und tragende Kerne) bietet der vorliegende Entwurf trotz der strickten Vorgaben vielfältige und zeitgemäße Wohnungen für unterschiedliche Bewohnertypen an. Die Grundrissgestaltung ist dabei hochflexibel und ermöglicht unterschiedliche Grundrisstypen in einem Haus. Mit wenig Aufwand können Wohnungen zusammengelegt oder anders aufgeteilt werden.

Das straßenbegleitende Hotel

Die Adresse des Hotels ist an der Heidestraße. In den oberen Geschossen befinden sich auf fünf Etagen 180 Zimmer, die wirtschaftlich und hocheffizient organisiert sind. Im EG befinden sich Rezeption, Meetingräume, Lounge und Bar und das Frühstücksrestaurant sowie die dazugehörigen Küchenbereiche mit Nebenräumen.

Die vermittelnde Klammer

Die Klammer bietet vor allem eine Mischung an kleinteiligen Grundrissen und stellt Wohnraum für Einzelpersonen, Studierende, Paare, Familien und Wohngemeinschaften in einem ausgewogenen Verhältnis bereit. Die Grundrisstypen reichen von der kleinen Mikrowohnung bis hin zur größeren Wohngemeinschaft. Die Erschließung des Gebäudeteils erfolgt vom Quatiersplatz aus über einen Treppenraum und einen kurzen angegliederten Laubengang. Dieser ist zusätzlich ein Ort der Begegnung und Kommunikation. Im Erdgeschoss der Klammer und des Turms befindet sich die Kita mit einem eigenen Zugang vom Quartiersplatz.

Der identitätstiftende Wohnturm – Wohnen im Turm und eine Adresse am Platz

Die für Wohnungen ungünstige Gebäudetiefe des Wohnturms in Verbindung mit der Ausrichtung des Baukörpers zu den Himmelsrichtungen sind verantwortlich für die Inspiration das Grundrissraster innerhalb des rechteckigen Baukörpers um 45° zu drehen. Dadurch wird eine wesentlich optimalere Belichtung der Grundrisse gewährleistet und auch die inneren Bereiche des Hauses werden mit Helligkeit und Tageslicht versorgt. Alle Wohnungen haben einen sehr guten Ausblick und eine großzügige Loggia.

Die gedrehte Gebäudestruktur ist einfach und beruht auf einem quadratischen Stützenraster, das sich in den Baukörper einpasst. Mit nur einem Sicherheitstreppenhaus hat das Hochhaus eine effiziente und minimierte Erschließung. Im Innenraum erhalten die Wohnungseingänge durch differenzierte, zweigeschossige Räume eine qualitätsvolle Eingangssituation. Das Sicherheitstreppenhaus wird über zwei notwendige Stichflure mit weniger als 15 m Länge erreicht.

Neben den funktionalen Vorteilen erhält der Wohnturm ein unverwechselbares Erscheinungsbild. Die äußerste Bekleidung aus verschiebbaren Glas-Elementen umhüllt die gedrehte Gebäudestruktur in Richtung des Stadtraums und gewährleistet gleichzeitig den Schallschutz.

Die verbindende Spange

Der Gebäudeteil der Spange liegt an einer kleineren Straße und bietet Platz für familiengerechtes Wohnen im EG mit Terrasse und kleinem Garten. In den Obergeschossen ergänzt den Wohnungsschlüssel eine Mischung aus kleinen und größeren Grundrissen. Hier gibt es Wohnraum für Singles, Paare, Wohngemeinschaften und Familien. Die Erschließung des Gebäudeteils erfolgt über zwei sichere Treppenräume (nach AV SiTrR Bln) mit notwendigen Fluren. Die Adressen sind über großzügige Eingangstüren im EG gut zu erkennen.

Der hybride Freiraum – Architektur weiterdenken

Ein gesamtheitliches, in sich differenziertes Freiraumkonzept verwebt die einzelnen (Freiraum-) Typologien miteinander und greift mit seiner Flexibilität das architektonische Grundprinzip des hybriden Wohnblocks auf.

Der dem Komplex vorgelagert Quartiersplatz bestimmt als klar strukturiertes Entrée die städtischen Bezüge der angrenzenden Straßen- und Erholungsräume. Als repräsentativer Übergangs- und Kommunikationsort gestaltet, verleiht er den jeweiligen Eingangsbereichen und Gewerbeflächen ein großzügiges und gut einsehbares Äußeres. Das Blockinnere wird in vier Teilräume gegliedert. Ein Wohnhof mit Gemeinschaftsgarten, ein Spielhof mit Kita-Außenbereich, ein weiterer Wohnhof mit Pflasterornament und ein Hotelgarten mit einem Meetingpoint fügen dem Gebäudeinneren adäquate Freiräume zu.

Konstruktion & Ökologie

Das Gebäude wird in zeit- und kostenoptimierter Massivbauweise mit seriellen Bauteilen errichtet. Die tragenden Wände sind aus Betonhalbfertigteilen und Fertigteilen geplant. Die Geschossdecken werden aufgrund der Ausbauflexibilität als 25 cm dicke Deckenplatten aus Beton ausgebildet die auf einem Betonstützenraster gelagert sind. Die Fassaden sind Bestandteil dieses Rastern und aus pigmentierten Betonfertigteilen, die fest mit den tragenden Bauteilen verbunden sind. Die tektonischen Elemente zeichnen sich so im Erscheinungsbild des Hauses ab.

Der Ausbau erfolgt in Leichtbauweise mit marktüblichen Systemen. Die Deckenspannweiten sind überwiegend mit wirtschaftlichen 6,5 m geplant. Die Fenster sind als dauerhafte und robuste Glas-Aluminiumkonstruktion geplant. Die farbliche Pulverbeschichtung wirkt wie Baubronze. Die Absturzsicherung erfolgt mit pulverbeschichteten Stahlgeländern und absturzsichernden Verglasungen nach TRAV. In den Loggien werden die nicht verglasten Fassadenflächen mit einer nicht brennbaren, dauerhaften Holzwerkstoffplatte (z.B. Parklex) verkleidet. Es entwickelt sich damit eine warme, wohnliche Ausstrahlung.

Der Schall- / Lärmschutz auf den Loggien und im Bereich der Doppelfassaden wird durch eine sehr transparent wirkende Schiebekonstruktion (z.B. SOLARLUX) erreicht. Das Hotel erhält Schallschutzfenster. Für den Sonnenschutz ist ein witterungsbeständiger semipermeabler Screen (z.B. der Firma warema) vorgesehen.

Innerhalb der architektonischen Leitidee wird eine kompakte Baukörperform mit einem sehr geringen Energiebedarf vorgeschlagen, der sich durch ein zukunftsorientiertes und kostengünstiges Energie-und Versorgungskonzept auszeichnet. Dadurch werden die Betriebskosten nachhaltig auf einem niedrigen Niveau gehalten und der fossile Energiebedarf auf ein Minimum gesenkt. Der Energiestandard für die Gebäudehülle erfüllt mindestens die Energieeinsparverordnung 2016. Mit wenigen ergänzenden Maßnahmen könnten auch Förderprogramme der KfW (z.B. KfW 55) in Anspruch genommen werden.

 

Realisierungswettbewerb
Neubau eines Gebäudekomplexes mit Wohnen, Kita, Gewerbe und Hotel
Berlin Europacity, Heidestraße
StB-Tragwerk mit Beton/ Aluminium/ Glasfassade
Auslober: Quartier Heidestraße GmbH
BGF: 26.500 qm
Leistungsphase 1-5
Fertigstellung voraussichtlich bis 2021
CKRS Architekten