Arbeiten in der Hermannstraße

Auf dem Gelände des Neuen Luisenstädtischen Friedhofs und dem Friedhof der St. Thomas Gemeinde in Berlin-Neukölln entstehen neue Büroräumlichkeiten. Dabei genießt der Dialog mit Besuchern und Gästen höchste Priorität. Dennoch muss für bestmögliche Arbeitsabläufe eine klare Trennung zwischen öffentlichen und intern genutzten Bereichen gewährleistet werden.

Architektur und Funktion

Für den Evangelischen Friedhofsverband und die STATTBAU Stadtentwicklungsgesellschaft mbH sollen auf dem Gelände des Neuen Luisenstädtischen Friedhofs und dem Friedhof der St. Thomas Gemeinde in unmittelbarer Nähe zur Hermannstraße neue Büroräumlichkeiten geplant werden. Die zukünftigen Nutzer stellen an die Arbeitsatmosphäre und interne Kommunikation der neuen Arbeitsplätze einen hohen Anspruch.  So verlangen die neuen Büroräume ein hohes Maß an Funktionalität bei gleichzeitig hoher räumlicher Qualität. Diese Bedürfnisse erfüllt der Entwurf mit seiner offenen Gebäudestruktur. Zwischen den klassischen Einzel- und Gruppenbüros entstehen auf vielfältige Weise Begegnungsräume, die sowohl ein offenes als auch konzentriertes Arbeiten ermöglichen. Der Einsatz natürlicher Materialien im Zusammenspiel mit hellen, lichtdurchfluteten Räumen sorgt für ein gesundes und behagliches Arbeitsklima.

Friedhofsverwaltung – Der zentrale offene Eingangsbereich mit Publikumsverkehr und Trauerbegleitung im Erdgeschoss öffnet sich zur Parklandschaft des Friedhofs. Die Verwaltungsräume liegen räumlich getrennt im Obergeschoss. Die Büroräume sind offen gestaltet und haben über einen Umlauf direkten Zugang zum Archiv. Die Team- und Pausenräume orientieren sich zur gemeinschaftlich mit der STATTBAU genutzten Dachterrasse.

Friedhofsgärtner – Die Räume der Friedhofsgärtner liegen am östlichen Wirtschaftsweg des Friedhofs. Hier befindet sich ein eigener Eingang mit Andienung für Lieferanten und Wirtschaftsfahrzeuge. Der separate Eingang trennt die Gärtner vom Besucherverkehr der Verwaltung ab.

Gemeinschaftssaal – Der Veranstaltungssaal ist für 60 Personen ausgelegt und liegt dem öffentlichen Straßenraum der Hermannstraße zugewandt im Erdgeschoss. Dienende Bereiche wie Lager, Garderobe und Küche versorgen das verbindende Zentrum zwischen STATTBAU und Friedhofsverband. Die Öffnung zum urbanen Vorplatz an der Hermannstraße lässt eine unabhängige Abendnutzung zu, ohne dass die Gäste auf den Friedhof gelangen können. Auch die Verwaltungs- und Bürobereiche können abends sicher abgetrennt werden. Die großzügige Verglasung gibt einen Durchblick von der Straße in den Grünraum des Friedhofs frei.

Coworking und Erweiterungsflächen – Die Gewerbe und Erweiterungsflächen mit Coworking Bereich schließen ebenfalls an den Veranstaltungsbereich im Erdgeschoss an und nutzen die Infrastruktur dieses Bereiches mit. Die Anbindung an die Hermannstraße über den städtischen Vorplatz lässt ein publikumswirksames Arbeiten sowohl für gewerbliche Zwecke als auch eine Büronutzung zu.

STATTBAU –  Die Büroräume der STATTBAU liegen im 1. und 2. Obergeschoss. Die hellen Räume sind zum Teil mit einer Galerie über zwei Geschosse verbunden. Um eine Kernzone mit dienenden und Gemeinschaftsfunktionen wird eine offene Arbeitslandschaft ausgebildet. Der Pausenraum öffnet sich zur Dachterrasse. Die Dachlandschaft ist zoniert und bietet die Möglichkeit im Sommer im Freien zu arbeiten, ohne die Besucher des Friedhofes zu stören. Alle Arbeitsräume basieren auf einem durchgängigen Ausbauraster von 0,75 m bzw. 1,50 m, so dass die Räume nutzungsneutral und flexibel umgestaltet werden können.

Konstruktion und Wirtschaftlichkeit

Die Gebäude besitzen einen tragenden und aussteifenden Kern als Betonmassivkonstruktion und eine hochwärmedämmende, nicht tragende Hülle. Die Hülle ist in einem Wechselspiel aus Holzrahmenbauweise und Holz-Glaselementen geplant. Die Holzrahmenwände werden mit einer hinterlüfteten, dauerhaft imprägnierten Holzfassade verkleidet. Über dieses Konstruktionsprinzip entsteht eine hoch wirtschaftliche Bauweise, bei der jeweils die optimalen Eigenschaften der Baustoffe Stahlbeton und Holz ausgenutzt werden. Durch die Vorfertigung werden Hülle und Rohbau nahezu zeitgleich fertiggestellt und wetterfest geschlossen. Somit kann der innere Ausbau umgehend störungsfrei starten. Der innere Ausbau erfolgt in marktüblichen Trockenbausystemen in Verbindung mit verglasten Bürotrennwänden. Diese bieten einen sehr guten systemeigenen Vorfertigungsgrad.

Wettbewerb STATTBAU GmbH
Neubau zweier durch einen eingeschossigen Bau verbundener Bürogebäude
Berlin, Neukölln
Kern: Betonmassivkonstruktion, Hülle: Holzrahmenbau
Bauherr: evangelischer Friedhofsverband Berlin
BGF: ca. 2000 qm
CKRS-Architekten
Mitarbeit: Gina Radon, Riccardo Dirella, Eva Hartmann
Fertigstellung voraussichtlich 2019